Die Albertus-Kirche ist die erste nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtete katholische
Pfarrkirche im Stadtgebiet. Mit dem aus dem 10./11. Jahrhundert stammenden „Krieler Dom“ bildet sie ein malerisches Ensemble. Indem sie die basilikale Struktur des „Krieler Domes“ übernimmt, erweist sie diesem ihre Reverenz. Kennzeichnend ist der abstrahierende Zugriff auf die Grundstruktur, nicht aber auf die Einzelformen der alten Basilika. Daher sind die herausgearbeiteten Strukturen von großer Einfachheit, Klarheit und Strenge geprägt – hierin den Prinzipien des Neuen Bauens verwandt - und somit auch von emotionaler Qualität.
Blockhaft kubische Stereometrien, große, geschlossene Wandflächen ohne gliedernde
Elemente prägen das Erscheinungsbild und die Ausdruckskraft der Albertus-Kirche.
Rundbogen, Stützen in klassischer Dreiteilung und die offenen hölzernen Dachstühle sowie das unverputzte Gemäuer des Außenbaues runden die Assoziation an eine frühchristliche Basilika ab. Der langgestreckte Bau ist ganz auf das Mittelschiff konzentriert. Um es zu betonen, treten die Seitenschiffe hinter der Fassade zurück. Indem sie auffallend niedrig gehalten sind, heben sie die Höhe des recht schmal erscheinenden Mittelschiffes hervor.
Der Innenraum wird, obwohl das Langhaus basilikal gegliedert ist, von Weiträumigkeit und Übersichtlichkeit bestimmt. Durch die Erhöhung des Vorhallenniveaus gegenüber dem Langbau vermittelt sich dieser in seiner ganzen Raumfülle. Zur optischen Erweiterung des Langhauses tragen die niedrigen Seitenschiffarkaden, die weiten Interkolumnien und ihre dünnen Stützen ebenso bei wie die hohen, von keinen Gliederungselementen unterbrochenen weiß verputzten Wandflächen über den Arkaden und der hohe Sitz des Obergadens.
Zusätzlich vermitteln die Reihungen der weitgespannten Arkaden und der Obergadenfenster eine perspektivische Wirkung von großer Tiefenräumlichkeit.
Ziel- und Fixpunkt der in die Tiefe des Raumes drängenden Linien ist der auf mächtigem
Stufenberg stehende Altar. Das große Chorseitenfenster, das ihn in helles Seitenlicht taucht, steigert die optische und dingliche Präsenz des Altares. Von hoher suggestiver Kraft ist die sich hinter dem Altar öffnende Apsis - ein geradezu antikisch anmutendes Würdezeichen.
Text aus: "Architekturführer Köln: Sakralbauten nach 1900", Helmut Fußbroich, BachemVerlag, 1/2005
