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Okzident begegnet Orient – unterwegs in Indien

Indienreise 2026
Indien 2026_00012
Datum:
6. Nov. 2026
Von:
Frau Kellermann-Pauli und Frau Becker-Berke

“The East and the West are ever in search of each other.” schieb der indische Dichter und Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore in seinem Essay East and West. Mit dieser Neugier auf den Orient reiste unsere Gruppe aus dem Kölner Westen mit unserem indischen Pfarrer Pater Jacob Aleckal CMI nach Indien.

Das Besondere: Unser Pfarrer war nicht nur unser Seelsorger, sondern lud uns immer wieder ein, seine Heimat Indien mit offenen Augen zu entdecken und  seiner vielfältigen Kultur, den verschiedenen Religionen, den Menschen und der Lebendigkeit des Landes mit offenem Herzen zu begegnen. In der ersten Woche im Norden Indiens besuchten wir die alten Maharadscha-Paläste, das Taj Mahal, Forts und Tempel der Hindu, Sikhs und Moslems. Wir erlebten dort neben großer Gastfreundschaft, wie wichtig der Glaube im Alltag vieler Menschen ist. Manche Bilder von Indien in unseren Köpfen mussten wir neu malen: Auch wenn das Straßenbild noch oft von Armut gekennzeichnet ist, prägen die Entwicklungen in den Bereichen IT und Pharmaindustrie das Bild einer Gesellschaft im Aufbruch: Eltern investieren viel in die Bildung ihrer Töchter und Söhne, um ihnen gute Arbeitschancen zu ermöglichen. Die Alphabetisierung steigt und vielen Frauen ermöglicht ihre Berufstätigkeit ein selbständiges Leben. Dies führt aber auch zu einem tiefgreifenden Wandel der Traditionen und Strukturen: Wenn gut ausgebildete junge Generationen im Ausland oder fern der Heimat arbeiten, garantieren sie nicht mehr die Versorgung der Eltern im Alter.

Kerala im Süden Indiens, unsere zweite Reiseetappe, wird auch „God’s own country“ genannt. Das immergrüne tropische Land mit Kokospalmen, Tee- und Gewürzplantagen, Heimatland von Pater Jacob, ist sehr katholisch und international geprägt. Viele junge indische Priester aus Kerala arbeiten jahrelang in Deutschland und weltweit, gestützt auf eine umfassende theologische und philosophische Ausbildung in Indien. Diese besondere Spiritualität erlebten wir mehrfach: Wir erfuhren sie beim Besuch des Novizenhauses, in dem Pater Jacob seine Entscheidung für das Ordensleben getroffen hat – sieben junge Novizen begrüßten uns gemeinsam mit ihren Ausbildern. Wir erlebten diese Spiritualität auch beim Gottesdienst in Trivandrum, der Hauptstadt von Kerala: Eine lebendige Gemeinde, die tief in der Geschichte und Kultur der Region verwurzelt ist. „Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident.“ schrieb Goethe in seinem West-östlichen Divan.

Unsere Gruppe hat dies in Indien in besonderer Weise erlebt: Die katholische Kirche verbindet Menschen verschiedener Länder, Kulturen und Sprachen in einer weltumspannenden Gemeinschaft.